Shit happens

Tag 72, 08.06.: Abgebrochener Tauchgang.

Der Donnerstag startete mit der Umsetzung des aufgestellten Plans. Dieser sah für den Donnerstagmorgen zunächst einen Schwimmtest vor. Als Professional muss man bei SSI in etwa folgende Anforderungen erfüllen:

  • 15 Min ohne Pause Wassertreten an der Wasseroberfläche
  • Ohne Pause 700m Schnorcheln in unter 20 Min
  • Ohne Pause 375m schwimmen in unter 20 Min
  • Streckentauchen 25m
  • Abschleppen über 100m in max. 8 Min, beide tragen volle Ausrüstung

Das Wasser war am Morgen sehr flach, dennoch starteten wir das Schwimmen. Es war ganz schön anstrengend, vor allem weil das Wasser sehr wellig war, was den Test noch mal erschwerte. Für das Streckentauchen und das Wassertreten wechselten wir in den Pool am Prik Thai, wo wir beide untergebracht sind. Im tiefen Pool waren allerdings gerade andere Taucher am Werk, also machten wir nur das Streckentauchen. Zwar wurde ich mit jedem Versuch besser aber es reichte noch nicht für das Bestehen. Ich schaffte etwa nur 2/3 der geforderten 25m. Das Streckentauchen werden wir also noch mal wiederholen.

Mittlerweile war es schon Mittag und wir gingen zusammen Mittagessen. Danach sollten wir auf das Nachmittagsboot. Doch vorher verkaufte ich noch meine Action Cam, die ich vor ein paar Tagen in einer lokalen Facebook Gruppe angeboten habe. Für 1600฿ wechselte sie den Besitzer. Witzigerweise war der Käufer der Eigentümer des Portobello, jenes Restaurant in dem wir am Montagabend den Kursabschluss feierten. Als ich anschließend in die Tauchschule fuhr, hieß es, das Nachmittagsboot sei gecancelt. Blöd, denn eigentlich lässt das unser Plan nicht zu.

Wir machten das Beste aus der Situation und legten eine kleine Theorieeinheit zu Tauchgangsbriefings und dem Kartieren ein. Danach lief ich mit dem Kompass und dem Zeichenbrett über den Strand, nahm ein paar Kompasspeilungen und fertigte eine Skizze an. Ich sollte eine Karte des Sairee Beach bzw. des Riffs an dem Strand erstellen. Das Wetter war nun wesentlich besser als am Vormittag. Auch der Wasserstand war nun viel höher und das Wasser ruhiger. Irgendwie hat mir die Sonne beim Kartieren nicht gut getan, denn mir wurde etwas schwindelig. Aber wir wollten jetzt in das Wasser, damit ich ein paar Tauchfertigkeiten üben und die Karte mit weiteren Peilungen aus dem Wasser heraus vervollständigen konnte. Doch leider hatten wir keine vollen Tanks mehr in der Tauchschule zur Verfügung, also mussten wir welche bestellen lassen und 20 Minuten bis zu deren Eintreffen warten.

Als die Tanks dann geliefert wurden, bauten wir unsere Ausrüstung zusammen und gingen in das Wasser. Im Gegensatz zum Vormittag war das Wasser nun wie gesagt sehr ruhig und der Wasserstand hoch. Schon auf den ersten Metern über die Sandstraße wurde mir kalt. Je weiter wir rausgeschwommen sind, desto kälter wurde das Wasser und desto mehr habe ich gefroren. Wir schwammen zu einer Sandfläche, wo wir die Tauchfertigkeiten trainierten. Wir begannen mit den grundlegenden Tauchfertigkeiten, die auch Anfänger im Open Water Kurs zuerst lernen. Jede Übung wurde durch meinen Instructor vorgemacht und ich sollte sie anschließend durchführen. Allerdings ließ meine Konzentration schon sehr stark nach, denn ich zitterte immer mehr am ganzen Körper. Mein Instructor bemerkte das auch und fragte mich per Handzeichen ob ich friere. Wir machten dann noch 1-2 Tauchfertigkeiten. Als ich dann schließlich so stark zitterte, dass ich mich gar nicht mehr konzentrieren konnte — bis hierher habe ich aber alle Tauchfertigkeiten sehr gut gemeistert — zeigte ich meinem Instructor an, dass ich friere und Kopfschmerzen habe und den Tauchgang gerne abbrechen will. Wir tauchten also auf und ich erklärte ihm meine Symptome und auch, dass ich keinerlei Konzentration mehr habe. Wir schwammen also langsam zurück zur Tauchschule, er bot mir sogar an mich abzuschleppen sollte ich den Weg nicht mehr schaffen. Außerdem wollte er den Arzt rufen sofern meine Symptome zu schlimm sein.

An der Tauchschule angekommen, legte ich gerade mein Equipment ab, zog mich um und fuhr direkt nach Hause. Das Säubern und Verstauen der Ausrüstung hat mein Instructor freundlicherweise für mich übernommen. Zu Hause angekommen, habe ich geduscht, mich abgetrocknet und dick angezogen: Lange Hose, T-Shirt, Pulli, zwei paar Füßlinge. Ab ins Bett. Mit 3 Handtüchern und 2 Thai-Bettdecken (sehr dünn) zugedeckt beruhigte sich das Zittern, ich schlief direkt ein und machte einen Nachmittagsschlaf von ca. 2 Stunden Dauer. Als ich aufwachte, war mir total heiß — Fieber. Ich schrieb meinem Instructor, ob er den Arzt rufen könne. Kurze Zeit später schaute mein Instructor bei mir vorbei und sagte, dass der Arzt nicht kommen könne, er mich jetzt aber zur Klinik fahren würde. Total neben der Spur packte ich also gerade das Nötigste zusammen: Impfausweis, Reisepass und Krankenkarte. Wir fuhren zur Koh Tao International Clinic, die direkt mitten in Sairee liegt, also nicht weit von meiner Unterkunft entfernt.

Nach einem Check-In reichte mir die Schwester zunächst 2 Paracetamol-Tabletten und hat Fieber gemessen: Über 39 Grad. Inzwischen erschlich sich der Verdacht auf Dengue, einem Tropenfieber ähnlich zu Malaria. Ich musste noch etwas im Wartezimmer warten, bis mich schließlich der Arzt untersuchte. Er nahm meine Symptome und den Verlauf erneut auf, untersuchte mich etwas und sagte dann auch, dass er Dengue vermute. Deshalb solle mir die Schwester etwas Blut für einen Test abnehmen. Nach der Blutentnahme musste ich ca. 15 Minuten auf das Ergebnis warten. Das waren schreckliche 15 Minuten, voller Bangen! Und dann rief mich der Arzt zu sich. NEGATIV! Mir fiel ein Stein vom Herzen. Der Arzt sagte dann zwar, dass der Test nur 92% Sicherheit hat, und es — wenn ich das richtig verstanden habe — mehrere Typen von Dengue gibt und der Test nicht alle abdeckt, aber dennoch war ich für den Moment erstmal erleichtert. Auch die Paracetamol bewirkten Wunder und mein Fieber und meine Kopfschmerzen verschwanden. Dennoch wollte mich der Arzt über Nacht zur Beobachtung in der Klinik behalten und am nächsten Morgen nach Koh Samui in das Bangkok Hospital Samui transportieren. Nun kam aber der nervtötendste Teil: Die Versicherung anrufen und den Papierkram klären. Vom Telefon der Klinik aus, rief ich die Hotline der Versicherung an. Man gab mir in der Klinik aus Kostengründen eigentlich nur eine Minute am Telefon und ich solle sagen, man soll mich zurückrufen. Die Frau an der Hotline nahm die grundlegenden Daten auf, quasselte aber zu viel, sodass die Schwester der Klinik mir schon sagte, ich solle endlich auflegen. Die Hotline-Dame sagte mir, man rufe mich dann in 15 Minuten auf der Nummer der Klinik zurück. Also hieß es wieder warten. Aus den 15 Minuten wurden eher 45 Minuten! Dann rief mich ein Mann an, der noch ein paar Fragen stelle und mir dann sagte, ich solle mir keine Sorgen machen, die Versicherung wird ihren lokalen Partner in Thailand informieren und die werden alles für mich regeln und bezahlen. Ich müsse nirgends in Vorkasse gehen. Die 50€ für die Auslands-Krankenversicherung haben sich also schon gelohnt!

Nachdem alles mit der Versicherung geklärt war, fuhr mich mein Instructor noch mal kurz nach Hause. Ich war kurz duschen und packte meine Tasche mit allen sauberen Klamotten, die mir noch zur Verfügung standen. Schließlich sollte ich am nächsten Morgen nach Koh Samui gebracht werden. Dann gegen 20:30 Uhr war ich wieder in der Klinik und bekam ein Zimmer zugewiesen. Mir wurde direkt eine Infusion gelegt, meine Wunden an den Beinen wurden gesäubert und verbunden, und meine Vitalwerte wurden gecheckt. Mittlerweile war das Fieber auch schon weg. Trotzdem hat mich das Fieber viel Kraft gekostet und ich war hundemüde. So schlief ich auch nach den ganzen Prozeduren direkt ein. Kurz nach 23 Uhr, als ich schon schlief, schaute mein Instructor noch mal vorbei und weckte mich. Er sagte, dass er mit dem Chef der Tauchschule gesprochen habe und ich nicht nach Samui in das Hospital gehen solle, denn das sei nur Abzocke. Die Transportkosten wären viel zu hoch. Nach einer Minute war er dann auch schon wieder weg, mehr Zeit wollten ihm die Schwestern der Klinik nicht mit mir geben. Jetzt da ich wach war, hörte ich auch die Musik der Ladyboy-Show aus dem Cabaret auf der anderen Straßenseite.

Tag 73, 09.06.: Ab nach Samui.

Am nächsten Morgen wurde ich kurz vor 7 Uhr von der Schwester geweckt. Vitalwerte checken und Infusion austauschen. Außerdem bekam ich ein Frühstück: Suppe mit einer Art Reisnudeln. Dann reichte mir die Schwester die Rechnung, welche ich zur Kenntnisnahme unterschrieben sollte. Wenn ich das richtig gesehen habe, dann kostete der Transport nach Samui 30,000฿ (ca. 800€), die insgesamte Summe auf der Rechnung lag aber nur bei 37,000฿. Das heißt der größte Teil der Kosten war nur der Transport nach Koh Samui. Weil es mir aber wesentlich besser ging und ich weder Fieber noch Kopfschmerzen hatte, sagte ich der Schwester, dass ich nicht nach Koh Samui möchte, sondern auf Koh Tao bleiben will. Jeder weiterer Tag Verzögerung gefährdet jetzt meinen Divemaster-Abschluss ganz schön. Sie sagte, sie werde den Arzt holen und ich solle das mit ihm besprechen. Dem Arzt habe ich dann gesagt, dass es mir viel zu gut geht für eine ernsthafte Krankheit und ich deshalb keinen Sinn darin sehe nach Samui zu fahren. Er argumentierte dann, dass das Fieber nicht immer geradlinig verlaufen muss, sondern durchaus auch in Schüben verlaufe und wiederkommen könnte. Außerdem könnten die Kollegen in Samui noch genauer nach der Ursache der Symptome forschen.

So ließ ich mich also doch breitschlagen und fuhr rüber nach Koh Samui. Mit dem Taxi der Klinik ging es gegen 8 Uhr nach Mae Haad zum Pier. Dort angekommen erlebte ich eine kleine Enttäuschung: Wir fuhren mit der stinknormalen Lomprayah-Linie, die voll mit Touristen war. Zudem sollten wir noch bis zur Abfahrt um 9:30 Uhr am Pier warten. Trotzdem soll dieser Transport fast 800€ kosten? Unglaublich. Ein Ticket für die Fähre kostet normalerweise keine 20€. Naja, zahlt alles die Versicherung. An diesem Freitag war auf Koh Phangan auch noch die ein mal im Monat stattfindende Full Moon Party, d.h. viele reisen für die Party rüber. Und die Fähre von Koh Tao nach Koh Samui macht auch Halt auf Koh Phangan. Und wenn ich am nächsten Tag zurückreisen wollte, dann wären die ganzen Alkoholleichen auch wieder auf dem Boot. In diesem Moment kamen mir Zweifel an der ganzen Aktion und ich sagte zur Krankenschwester, die mich begleitete, ich wolle nicht fahren. Sie erwiderte ich solle fahren, denn wenn es eine Infektion sei, könne die Sepsis später folgen und man habe auf Koh Tao nicht die Mittel für ihre Behandlung. Die Krankenschwester war übrigens ein Ladyboy. Das gibt es auch nur in Thailand. Dann musste ich auch noch auf Toilette und sie stand dabei hinter mir um meine Infusion zu halten.

Als das Boarding für die Fähre endlich begann, nahmen wir wenigstens die Fast Lane. Sie hielt die ganze Zeit meine Infusion, trug mein Gepäck und mir ging es eigentlich gut genug um so betätschelt zu werden. Wir setzten uns auf zwei für uns reservierte Sitze im Bauch des Schiffes. Sie fragte mich noch ob ich seekrank werde, dann checkte sie erneut meine Vitalwerte. Ich war so müde, dass ich während der Fahrt immer wieder eingenickt bin. Auf Samui angekommen, durften wir als erste vorne aus dem Katamaran aussteigen, lange vor allen anderen Passagieren. Auf dem Pier warteten schon die Pfleger der Ambulanz aus dem Hospital. Mit Trage und Sonnenschirm. In diesem Moment kam ich mir echt dämlich vor. Während jemand mit einer Beinverletzung an mir vorbeihumpelte, wurde ich auf die Trage gesetzt und den Pier hinunter zum Krankenwagen geschoben, während einer der Pfleger einen Sonnenschirm über mich hielt. Dann schoben sie die Trage in den Krankenwagen und wir fuhren ca. 30 Minuten ins Krankenhaus. Jetzt musste ich Abschied von meinem Ladyboy nehmen. Im Krankenhaus kam ich direkt in die Ambulanz, wo mir eine neue Infusion gelegt — sie ist schlechter als die vorherige und schmerzt einfach auch dauerhaft — und mir darüber auch Blut abgenommen wurde, meine Wunden an den Beinen wurden erneut desinfiziert und neu verbunden, meine Vitalwerte wurden wieder gecheckt und den Papierkram durfte ich ausfüllen. Schließlich brachte man mich dann auf ein privates Zimmer, wobei wir unterwegs noch einen kurzen Zwischenstopp beim Röntgen einlegten. Meine Lunge wurde geröntgt. Dann brachte man mich auf das Zimmer. Das Zimmer in dem Hospital ist echt phänomenal gut. Man hat einen eigenen Balkon mit Sonnenliege, eine Couch, eine Sitzgelegenheit mit Tisch, einen Fernseher, eine kleine Küche mit Spüle und Kühlschrank, ein großes Badezimmer und Handtücher und Pflegeprodukte werden bereitgestellt. Besser als die meisten Hotels. Die Versorgung durch die Schwestern ist auch sehr gut. Sie sind vor allem sehr nett, wie die meisten Thais. Ich durfte sogar wählen, ob ich Thai oder Western Food zum Essen möchte. Ich wählte durchgängig Thai Food. So bekam ich zum Mittag gebratenen Reis mit Gemüse und Ei, dazu eine Suppe und noch einen Kokosnuss-Pudding als Nachtisch.

Dann klingelte das Telefon und ein deutscher Arzt rief mich auf dem Zimmer an. Wie es scheint ein Arzt hier aus dem Hospital. Wir unterhielten uns über meinen Krankheitsverlauf und die nächsten Schritte. Am Nachmittag schaute dann der thailändische Doktor, den ich schon in der Ambulanz kennenlernte, vorbei und brachte mir die Ergebnisse aus dem Labor. Kein Fieber mehr. Alle Blutwerte normal. Test auf Dengue erneut negativ. Die Lunge ist normal. Eine Ursache für meine Erkrankung wurde also nicht gefunden. Ich sagte dem Arzt, dass ich plane das Krankenhaus morgen zu verlassen und zurück nach Koh Tao zu fahren, sofern sich mein Zustand nicht über Nacht doch noch mal verschlechtern sollte. Er stimmte dem dann zu, denn die vorläufigen Testergebnisse seien erstmal sehr gut. Man werde meine Blutprobe aber noch mal nach Bangkok schicken und intensivere Tests auf Dengue durchführen. Ich werde dann angerufen, sobald das Testergebnis vorliegt.

Am frühen Abend wurde ich dann noch mal eine Etage höher verlegt. Wieso? Keine Ahnung. Aber ich regelte, dass ich das Krankenhaus am nächsten Morgen verlassen werde. Um 6:30 Uhr werde ich am Krankenhaus vom Lomprayah-Minivan abgeholt. Dann geht es zum Pralarn Pier in Maenam hier auf Koh Samui, wo um 8:00 Uhr die Lomprayah-Fähre nach Koh Tao geht. Gegen 9:30 Uhr sollte ich dann wieder daheim sein 🙂. Zum Abendessen gab es übrigens Ente mit Nudeln, dazu eine Suppe mit Gemüse und Fleischbällchen und als Nachttisch etwas Mango. War wesentlich besser als das Mittagessen.

Was es nun letzten Endes war, das mein Fieber ausgelöst hat, wird wohl ein Rätsel bleiben. Aber Hauptsache ist, dass alles wieder in Ordnung ist und keine Auffälligkeiten gefunden wurden.

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