Nummer 4

Tag 53, 20.05.: Auf Tuchfühlung mit dem Walhai.

Wie gestern geschrieben war ich heute Morgen auf dem Frühboot und es ging wie üblich raus zum Chumphon Pinnacle. Ich war besonders wachsam weil ich mit einer Gruppe Fun Diver unterwegs war und der Guide mein Buddy aus dem Rescue-Training war. Ich befürchtete weitere Szenarien und Tests. Auf dem Weg zum Pinnacle zeigten uns die entgegenkommenden Boote aber schon einen Walhai an.

Wahnsinn! Was hier zurzeit abgeht ist nicht normal. Fast jeden Tag werden mehrere Walhaie um die Insel herum gesichtet. Das kann man ganz gut in einer Facebook Gruppe verfolgen, wo Sichtungen gemeldet werden. Bei uns in der Schule gibt es Tauchlehrer, die 2000 Tauchgänge gebraucht haben um einen Walhai zu sehen. Und jetzt sieht man sie so häufig! Das ist mittlerweile meine vierte Begegnung mit einem Walhai, und das bei nur knapp über 50 Tauchgängen. Alle gesichteten Walhaie um Koh Tao sind aber eher Babies, so zwischen 2-4m groß. Walhaie können bis zu 30m groß werden.

Wir sind für den ersten Tauchgang ins Wasser gesprungen und noch bevor wir abgetaucht sind, hat einer der Fun Diver gemeint irgendwas hätte ihn am Bein berührt. Und dann war der Walhai einfach unter uns! Wir mussten ihn also nicht mal suchen. Wenn ein Walhai am selben Tauchplatz ist, heißt das nicht unbedingt, dass man ihn auch sehen muss. So wie es uns vor kurzem am Green Rock ergangen ist, wo unsere Gruppe den Walhai nicht sah, aber eine andere Gruppe die mit auf dem Boot war.

So tauchten wir erstmal nicht ab sondern schnorchelten nur an der Wasseroberfläche und beobachteten wie der Walhai seine Kreise um uns zog. Einfach ein wunderschönes Tier, das majestätisch durch das Wasser gleitet! Nachdem der Walhai in der Tiefe verschwunden ist, sind wir es auch. Aber Tauchgänge mit Walhaien drehen sich eben immer nur um den großen Fisch, so war das Riff nur Nebensache. Ein Mal schwamm der Walhai noch direkt auf uns zu. Wenn er zuerst auf einen zu und anschließend über einen hinwegschwimmt und man den weißen Bauch sieht, verspürt man viel Respekt und Ehrfurcht. Es läuft einem dabei schon kalt den Rücken runter. Selbst ein 3-4m großes Tier ist immerhin doppelt so groß wie man selbst.

Direkt nach dem Tauchgang, in der Oberflächenpause auf dem Boot, hat einer der Fun Diver, der selbst Divemaster mit an die 200 Tauchgängen ist, eine Dekompressionskrankheit vorgetäuscht. Das war mein erwarteter Test. Ich versorgte ihn also und baute den Atemregler und die Sauerstoffflasche zusammen. Dieses Mal lief es besser aber für den Guide immer noch nicht schnell genug. Auch wenn er es danach selbst nicht schneller geschafft hat und als ich den Spieß umdrehte und ihm dann sagte, er solle schneller machen, wurde er noch sauer.

Während der Pause kam der Walhai der Oberfläche wieder sehr nahe und man konnte ihn vom Boot aus sehen. Wie vor zwei Wochen. Die ideale Gelegenheit für ein Foto!

Im zweiten Tauchgang haben wir den Walhai wieder gesehen als wir noch an der Wasseroberfläche waren und noch nicht abgetaucht sind. Wir sind dann aber abgetaucht und einmal um den Barracuda Rock herum. Nach dem Sicherheitsstopp haben wir den Walhai wieder knapp unterhalb der Wasseroberfläche gesehen und eine Runde mit ihm geschnorchelt. Danach hieß es Abschied nehmen, wir fuhren zurück zum Pier. Ich genoss die Rückfahrt auf dem Sonnendeck und machte ein paar Fotos. Das Wetter war echt genial, vor allem nach der Wechselhaftigkeit der letzten Tage. Die Sonne knallte!

Nach einer Dusche und dem Mittagessen habe ich mich für einen Nachmittags-Cappuccino wieder in das Blue Water gesetzt. Heute allerdings mehr an den Strand, um das gute Wetter zu genießen.

Vom Blue Water bin ich weiter an den Strand, habe mich dort hingepflanzt und ein Buch gelesen und dabei Musik gehört. Bis zum Sonnenuntergang bin dort geblieben. Den Sonnenuntergang am Strand zu genießen habe am Anfang meiner Reise so gut wie täglich gemacht. In den letzten Wochen ist das aber irgendwie in den Hintergrund gerückt. Schade, denn die Sonnenuntergänge können hier echt traumhaft schön sein und man sollte das Paradies genießen.

Abends bin ich das P.Oy nach Chalok rübergefahren. Dort gibt es das beste Massaman Curry der Insel. Ich finde es ist generell mit das beste das ich bisher in Thailand gegessen habe. Die Besitzerin legt wert auf gutes Essen. Das Massaman wird mehrer Stunden langsam geköchelt. Die Hähnchenschenkel in dem Curry sind so zart, wenn man das Fleisch mit dem Löffel beürhrt, fällt das Fleisch schon vom Knochen. Daran merkt man wie langsam das Curry gekocht wurde. Als ich dort ankam wurde ich von der Besitzerin nett und freundlich empfangen. Ich fragte direkt ob noch Massaman da sei, denn es wird täglich nur ein großer Topf gekocht. Wenn der Topf leer ist, gibt es keines mehr. Sie fragte nur lachend, wer mir vom Massaman erzählt und es empfohlen hat, wartete aber nicht auf meine Antwort. Während ich auf das Essen wartete, liefen Weihnachtslieder: „Winter Wonderland“ bei 30 C, mitten im Mai. Zum Nachtisch gab es Rambutan, eine typisch thailändische Frucht. Ich fragte die Besitzerin wie man sie essen kann: Einfach mit einem Fingernagel durch die Schale drücken, bis man das Fruchtfleisch erreicht, dann kann man die Schale eigentlich schon abziehen bis man das durchsichtig-weiße Fruchtfleisch in der Hand hält. Im Inneren des Fruchtfleisches befindet sich noch ein Kern, den man nicht mitessen sollte. Einfach um den Kern herum das Fruchtfleisch essen. Für mich waren es die ersten Rambutan überhaupt. Sie sind ganz lecker. Die Chefin fragte mich noch, wie das Massaman war und als ich ihr sagte, dass es sehr gut war, fragte sie mich erneut wer mir vom Massaman erzählt hat. Dann sagte ich ihr, dass ich schon mal vor ein paar Wochen da war, und sie, dass sie sich nicht an mich erinnere. Vielleicht erinnert sie sich ja jetzt das nächste Mal an mich 😉.

Tag 54, 21.05.: Der verpasste Walhai.

Am Sonntag war ich auf dem Spätboot. Daher hatte ich morgens Zeit für eine Runde Zirkeltraining. Nach dem Duschen bin ich dann entspannt zum Frühstück in das Morning View, wo ich schon mal frühstücken war. Während des Frühstücks habe ich das Buch weitergelesen, welches ich auch am Vortag am Strand gelesen habe. Es ist das Buch Sapiens: A brief history of mankind. über welches ich schon mal vor längerem berichtet hatte. Zwischendrin habe ich ein anderes Buch gelesen und Sapiens erstmal beiseite gelegt. Nun aber bin ich wieder voll dabei 🙂.

Die Tauchgänge auf dem Spätboot gingen zu Twins und White Rock. Ich war an dem Tag mit einem anderen DMT der Tauchschule unterwegs, der schon länger DMT bei der Tauchschule ist, aber erst vor ein paar Tagen wieder zurück nach Koh Tao gekommen ist. Zusammen sind wir als Buddies im Zweierteam tauchen gegangen. Wir hatten beide denselben Luftverbrauch, d.h. nach 20 Minuten Tauchzeit hatten wir dieselbe Zahl Druck auf dem Tank, nach 40 Minuten genauso, usw. Das ist für uns beide super, denn so fühlt sich keiner gezwungen aufzutauchen weil einer von uns den Tank zu schnell leergeatmet hat, wie es sonst der Fall ist wenn man einen Kurs oder Fun Diver begleitet. Einer atmet das Ding immer zu schnell leer. Außerdem konnten wir die Grenzen mehr ausreizen und mit weniger Bar auf dem Tank auftauchen, weil wir beide regelmäßige Taucher sind, die nicht panisch reagieren wenn der Druck mal weniger wird, sondern weiter ruhig atmen und die Situation unter Kontrolle haben. So schafften wir in beiden Tauchgängen eine Tauchzeit von je 65 Minuten. Üblicherweise ist man mit den Kursen oder Fun Divern so um die 40 Minuten unterwegs. Unter Wasser haben wir jede Ritze der Tauchplätze untersucht und akribisch nach den kleinsten Tierchen gesucht. Wir haben eine Reihe von Schnecken, teilweise winzig klein und selten, Shrimps, Einsiedlerkrebse, jede Menge Blaupunktrochen, eine freischwimmende Muräne und winzige Seenadeln gesehen. Nur den großen Fisch haben wir verpasst. Der ist nämlich am White Rock vorbeigeschwommen. Eine andere Gruppe, die ebenfalls auf dem Boot war, hat ihn gesehen, weil sie schon mit ihrem Tauchgang fertig und wieder an der Wasseroberfläche waren. Sie sahen wie er am Boot vorbeigeschwommen ist und sind mit ihm schnorcheln gegangen. Es war genau derselbe wie am Vortag am Chumphon Pinnacle. Wir beiden DMTs waren zu dem Zeitpunkt unter Wasser. Leider war die Sicht auch nicht ganz so geil am White Rock, sodass wir sowieso nicht weit sehen konnten.

Zum Abendessen war ich wieder in der Garküche am großen 7eleven Supermarkt. Leider weiß ich deren Namen immer noch nicht. Sie hat allerdings auch nur einen thailändischen Namen, wenn überhaupt. Auch hier hat mich der Kellner nun wiedererkannt und mich freundlich gegrüßt. Die Insel ist eben winzig und wenn man täglich dieselben Menschen sieht, kennt und grüßt man sich eben. Alles ganz familiär, das macht den Charme aus.

Tag 55, 22.05.: Gewöhnlich.

Am Montag war ich auch wieder auf dem Spätboot, so konnte ich wieder entspannt frühstücken gehen, dieses Mal im Zest, und mein Buch weiterlesen. Getaucht bin ich dann mit einer Gruppe Fun Divern. Wir sind an Twins und anschließend an Three Rocks tauchen gegangen. Bei Twins war ich am Sonntag erst. Bei Three Rocks schon länger nicht. An Three Rocks suchten wir vergeblich nach der Schildkröte, die dort gerne ihre Runden dreht und die Korallen frisst. An diesem Tag sollten wir sie leider nicht finden. Dafür haben wir den kleinen weißen Feuerfisch zwei mal an unterschiedlichen Plätzen gesehen. Ich bin dem Kleinen aber schon öfter begegnet. Vielleicht sind es auch mittlerweile zwei die dort wohnen? Weil ich beide Male der erste war, der den Feuerfisch sah und auch sonst viele Tiere in den beiden Tauchgängen als erstes gesehen (z.B. mehrere Blaupunktrochen) und die Gruppe darauf aufmerksam gemacht habe, lobte mich die Tauchführerin für meine guten Augen ☺️. Mit der Zeit ist man auf die Tierwelt unter Wasser eben einfach konditioniert und achtet auch mehr auf seine Umgebung. Im Großen und Ganzen aber ein gewöhnlicher Tag mit zwei gewöhnlichen Tauchgängen.

Das Wetter war die letzten drei Tage, seit Samstag, wieder sehr geil. Tagsüber hat die Sonne gebrannt und es war meist klarer Himmel. Nur an diesem Montagabend hat es wieder angefangen übel zu regnen. Zum Glück war ich da auch schon wieder vom Abendessen daheim und blieb so trocken.

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