Aus Fehlern lernen

Tag 50, 17.05.: Satz mit X, das war nix.

Am Mittwoch war ich schon um 6.30 Uhr wach, lange bevor alle Wecker klingelten. Denn eigentlich musste ich erst um 10 Uhr in der Tauchschule sein. Vielleicht war ich innerlich auch einfach zu angespannt, denn am Mittwoch waren die Übungen und Szenarien für den Rescue Diver dran.

Den langen Morgen nutzte ich um eine Serie zu schauen und mir bei SSI ein paar Videos zu den möglicherweise bevorstehenden Übungen anzuschauen. Denn das fiese ist, dass ich nicht wusste, was mich erwarten wird beziehungsweise welche Szenarien ich zu absolvieren habe. Bei SSI gibt es jedoch Videos zur Bergung eines bewusstlosen Tauchers unter Wasser und an der Wasseroberfläche, uvm. Das anzuschauen könnte hilfreich sein, dachte ich mir.

Gegen 9 Uhr bin ich dann zum Frühstück in das South Beach Café drüben in Chalok gefahren. Es war etwas schwierig zu finden, weil es um die Ecke, in einer kleinen Seitenstraße an der Hauptstraße lag. Ich bin zweimal daran vorbeigefahren und habe auf Google Maps dann gesehen, dass ich einmal zu weit südlich und einmal wieder zu weit nördlich war. Schließlich habe ich es doch gefunden.

Im Café gibt es einen sehr guten Kaffee — genau genommen hatte ich einen Americano — und dazu bestellte ich den Energy Booster, Porridge mit Bananen, und ein kleines Wasser. Auch das Porridge war lecker. Zusammen zahlte ich ฿230.

Die Story, wie ich am Dienstag auf dem Weg zum Frühstück fast überfahren wurde, habe ich vergessen zu erzählen und will das an dieser Stelle mal nachholen. Ich wollte mit dem Roller links aus der Einfahrt meiner Unterkunft rausfahren und habe daher nach rechts geschaut (zur Erinnerung: hier herrscht Linksverkehr). Rechts war frei, also rollte ich los, ehe ich noch mal nach links schaute und sah, wie zwei Autos nebeneinander auf mich zu fuhren. Das eine Auto nutzte dabei meine Fahrspur um das andere Auto zu überholen (mit fast der gleichen Geschwindigkeit). Zum Glück konnte ich noch bremsen und stand noch nicht weit genug auf der Straße, sodass nichts passiert ist. Das zeigt aber wie abenteuerlich der Verkehr hier ist und man immer vorsichtig sein sollte.

Nach dem Frühstück bin ich zur Tauchschule und hatte hier von 10 bis 11.30 Uhr zuerst den üblichen Theorietest mit 25 Fragen zum Spezialkurs Rescue Diver und anschließend eine Besprechung der beiden Tauchgänge im Rahmen des Kurses am Nachmittag. Die Mittagspause war dann etwas länger, bis 13 Uhr, bis das Boot fährt.

In der Mittagspause bin ich zu der Garküche nahe dem großen 7eleven Supermarkt direkt an der Hauptstraße, oberhalb des Sairee Beach, gefahren. Das ist einer meiner Lieblingsplätze für Thai Food auf ganz Koh Tao. Sie haben eine riesige Karte mit vielen verschiedenen Gerichten, aber alles dennoch Thai Food, kein Western Food, und alles schmeckt echt total lecker. Dazu sind die Gerichte auch nicht so teuer wie in den üblichen Touristen-Restaurants am Sairee Beach.

Während des gesamten Tages über hat mich eine gewisse innerliche Anspannung begleitet. Umso froher war ich, als wir dann am Nachmittag endlich auf das Boot gegangen sind und wir ab diesem Zeitpunkt mit den Übungen und Szenarien zum Rescue-Kurs begonnen haben. Am Mittwoch war es leider sehr windig und der Wellengang vergleichsweise hoch. Hinzu kam, dass es sich zugezogen hatte, die Sonne verschwand, und es anfing zu regnen. Perfekte Bedingungen also für den ohnehin schon anstrengenden Rescue-Kurs. Auf dem Boot war noch ein OWD-Anfänger-Kurs und eine Gruppe Fun Diver, d.h. viel Publikum das den Stresslevel nochmal erhöht. Als wäre das nicht genug, sind wir in die Mango Bay gefahren, ein Tauchplatz an dem ich zuvor noch nicht war, der allerdings etwas windgeschützt ist und daher die Wellen hier nicht ganz so hoch schlugen. Die Sicht unter Wasser sollte trotzdem etwas eingeschränkt sein. Alles also nicht ganz so ideal für mich.

Mein Buddy war ein Divemaster unserer Tauchschule, der an diesem Tag den nervösen Anfänger ohne viel Erfahrung gespielt hat, um mich zu testen und herauszufordern. Der erste Test fand bereits auf dem Boot statt als wir die Ausrüstung montierten und er die erste Stufe, also das Ventil für die Atemversorgung, falsch herum auf dem Tank montierte und die Schläuche verdreht waren, sodass der Inflatorschlauch nicht mit dem Inflator des BCD verbunden werden konnte. Ich wies ihn also freundlich darauf hin. Dann drehte er die erste Stufe herum, aber montierte diese nicht fest genug, sodass, als er den Tank aufdrehte, Luft aus dem Tank zischte und in die Umgebung verschwand. Ich wies ihn wieder freundlich darauf hin und er baute die Ausrüstung nun endlich ordentlich zusammen.

Als wir am Tauchplatz ankamen, machten wir den Buddy-Check. Allerdings unterlief mir dabei ein Fehler: Der Bleigurt meines Buddys war nicht sachgemäß sondern verkehrt herum angezogen, sodass er sich beim Sprung in das Wasser löste. Der Buddy hatte so beim Abtauchen nicht genug negativen Auftrieb um abzutauchen und strampelte an der Oberfläche. Den Bleigürtel konnte ich am Grund erblicken. Ich tauchte auf und wies ihn darauf hin. Die Tauchlehrerin, meine Prüferin, die uns beide begleitete, tauchte ab und holte den Bleigurt hoch an die Oberfläche, sodass mein Buddy den Gurt wieder anlegen konnte — dieses mal richtig!

Als wir dann abgetaucht sind, hatte ich meinen Buddy besonders häufig und gut im Blick, immer mit dem Gedanken, was er wohl als nächstes ausfressen wird. Schließlich sollte er mich heute noch vor eine Reihe weiterer Übungen stellen. Der nächste Test war ein Hyperventilieren seinerseits, ein zu schnelles und kräftiges Atmen unter Wasser. Ich bemerkte seine übertriebene Atmung, verfehlte aber ihn aktiv darauf anzusprechen und zu beruhigen. Als er dann an die Oberfläche geschossen ist, entschied ich mich dazu, nicht zu versuchen ihn festzuhalten. Mein Gedanke dabei war mich nicht selbst unnötig in die Gefahr eines zu schnellen Aufstiegs zu bringen. Allerdings waren beide Verhaltensweisen falsch und ich hätte früher reagieren müssen. In der nächsten Übung war meine Reaktion schneller: Der Buddy verlor beim Tauchen eine seiner Flossen. Als ich sah, dass er mit nur einer Flosse schwamm, drehte ich mich um, erblickte die Flosse, schwamm zu ihr hin, griff sie und brachte sie zu ihm während ich Augenkontakt herstellte und versuchte ihn zu beruhigen. Er zog die Flosse wieder an und die Szene war vorbei.

Die nächste Prüfung sollte eine Nummer krasser sein: Mein Buddy schwamm überraschend auf mich zu, riss meinen Atemregler aus dem Mund und steckte ihn in seinen Mund. Für mich war die Herausforderung nun, dass ich ohne Luftversorgung war, aber in Ruhe meine Zweitversorgung greifen musste um mich selbst wieder mit Luft zu versorgen. Die Erstversorgung hatte mein Buddy schließlich. Nachdem ich wieder Luft hatte, beruhigte ich den Buddy. Aufgabe erfolgreich gemeistert.

Die letzte Prüfung für diesen Tauchgang war der bewusstlose Taucher unter Wasser. Mein Buddy legte sich bewusstlos spielend auf den Boden. Nun war es an mir, zuerst seine Reaktion zu prüfen, dann zu schauen, ob und wie viel Luft er noch im Tank hat, ihn zu greifen, zu drehen, mit einer Hand seinen Atemregler im Mund zu halten, während ich mit dem anderen Arm sein BCD bediente um den kontrollierten Aufstieg einzuleiten. Das klappte soweit auch ganz gut. An der Wasseroberfläche musste ich den bewusstlosen Taucher dann abschleppen und zum Boot zurückbringen. Ich wählte zunächst die falsche Methode für das Abschleppen und konnte den Kopf des Buddy nicht die ganze Zeit über Wasser halten. Man muss dazu sagen, dass mein Buddy sehr korpulent war und es für mich auch schwierig war z.B. um ihn herum zu greifen. Als wir am Boot ankamen, rief ich dem Bootsjungen zu, mir den Rettungsring zuzuwerfen. Der Rettungsring erwies sich als nicht sinnvoll und ich versuchte meinen Buddy auf den Schoß zu nehmen und die Leiter hochzuklettern. Auf dem großen Boot auf dem wir waren, der Dei Mudda 2, ist die Leiter etwa 5 Stufen (ca. 2m) hoch. Einen so schweren Menschen dort hochzubekommen war für mich einfach unmöglich. Ich probierte dieselbe Technik mit der Tauchlehrerin aus und schaffte es, sie auf das Boot zu heben. Auch sie schaffte es, mich mit der Technik auf das Boot zu heben. Wir gingen zurück auf das Boot und machten die Oberflächenpause. Bisher lief es zwar etwas holprig, aber alles in allem doch gut dafür, dass ich die Übungen zuvor noch nie gemacht habe. Auf jeden Fall gut, dass ich mir am Morgen die Videos bei SSI angeschaut habe.

Als sich das Boot während der Oberflächenpause füllte und auch die anderen beiden Gruppen auf dem Boot waren, lenkte mich die Tauchlehrerin ab, indem wir uns das Kit für den Sauerstoff mit dessen Ventil, Masken und Schläuchen anschauten. In der Zwischenzeit hat sich mein Buddy mit Ausrüstung in das Wasser geschlichen und simulierte nun 50m hinter dem Boot den in Not geratenen Taucher. Der Bootsjunge wies mich auf den Taucher hin und ich überlegte, welche Ausrüstung ich anziehen sollte: Schnorchelausrüstung oder volles Tauchequipment inklusive BCD und Tank. Als ich die Tauchlehrerin fragte, zuckte sie mit den Schultern. Sie wollte es mir nicht sagen. Während ich mich jedoch dazu entschied, die Ausrüstung anzuziehen rief sie ich solle mich beeilen. Davon verunsichert bin ich ohne Ausrüstung in das Wasser gesprungen und zu dem Taucher hingeschwommen. Ein fataler Fehler. Bei ihm angekommen hat er mich einfach unter Wasser gedrückt und hätte mich im Ernstfall ertränkt. Übung nicht bestanden, also zurück zum Boot und nochmal von vorn. Dieses Mal mit Ausrüstung. Doch als ich die Ausrüstung anzog, ging es wieder nicht schnell genug, obwohl ich mich beeilte und nur das Nötigste angezogen habe. Den Bleigurt habe ich zum Beispiel weggelassen. In einer echten Notfallsituation gilt als oberstes Prinzip: Selbstschutz. Das heißt solange ich mir nicht sicher bin, dass meine Ausrüstung angezogen ist und richtig funktioniert, begebe ich mich womöglich selbst in Gefahr und helfe damit niemandem. Daher sollte die Minute Zeit sein, um die Ausrüstung anzulegen. Nachdem ich im Wasser war, bin ich zu dem Taucher hingeschwommen. Dass er mich nun wieder unter Wasser gedrückt hat, war mit der Ausrüstung kein Problem. Schließlich konnte ich Luft vom Tank atmen. So bin ich etwas untergetaucht und habe ihn von hinten angeschwommen, um sein Tarierjacket mit Luft zu füllen. Denn so hat er den benötigten Auftrieb, geht nicht mehr unter, und wird sich beruhigen. Anschließend habe ich ihn zum Boot abgeschleppt. Dort angekommen hat er über Gelenkschmerzen geklagt und gesagt, dass er auf 18m war und dann schnell aufgetaucht ist. Anzeichen für eine Dekompressionskrankheit. Mittlerweile körperlich ganz schön ausgelaugt vergaß ich die weiteren Symptome einer Deko-Krankheit und wie ich weitere Symptome erfragen konnte. Der nächste Schritt war die Gabe von 100% Sauerstoff. Hier fragte ich den Tauchlehrer des OWD-Kurses ob er mir helfen könne, das Kit an der Sauerstoffflasche zu montieren. Das wurde jedoch von meiner Tauchlehrerin verboten, schließlich sollte ich das Kit selbst montieren. Allerdings habe ich das noch nie zuvor gemacht und es im Erste-Hilfe-Kurs am Montag nur in der Theorie gelernt, indem mir ein Foto von den Anschlüssen gezeigt wurde. Das praktische Zusammenbauen habe ich aber noch nie geübt. Gut, ist auch nicht besonders schwer, allerdings ist das Kit auf dem Boot nicht in so einem guten Zustand und die Steckverbindung zwischen Pocket-Maske und zweiter Stufe hat nicht wirklich funktioniert, sodass ein Beatmen nicht so einfach möglich war, ohne dass die zweite Stufe aus der Maske rutscht. Irgendwie hat es dann doch geklappt und nach kurzer Beatmung war die Übung zu Ende.

Im zweiten Tauchgang gab es wieder ein paar kleinere Stresssituationen meines Buddies, die ich bewältigen musste. Die wohl schwierigste Situation war, als mein Buddy verschwand, sich aber die ganze Zeit über mir befand, ohne dass ich es merkte, mich angriff und mir den Atemregler aus dem Mund riss. Mit dem richigen Maß an Gelassenheit habe ich aber auch diesen Hinterhalt gemeistert. In der letzten Übung hat sich mein Buddy versteckt, mir wurde die ungefähre Richtung genannt, und ich musste den Buddy suchen. Das hat sehr gut geklappt, ich habe ihn schnell gefunden, er war (gespielt) bewusstlos und ich musste ihn erneut zum Boot bringen.

Wie ich am Ende des Tages erfahren habe, habe ich die Übungen leider nicht ausreichend gemeistert, sodass ich die Übungen in den nächsten Tagen wiederholen darf. Was mich dabei stört, ist, dass mir von meinem Instruktor falsche Anweisungen gegeben wurden und mir in der Übung dazwischengeredet wurde. Zum Beispiel beschrieb ich bei der Tauchgangsplanung die Möglichkeit, beim Heben einer Person auf das Boot, die Person auf den Schoß zu nehmen und dann die Leiter hochzuklettern. Mir wurde gesagt ich solle das nicht so machen, sondern den Rettungsring verwenden. An dessen Seil könne man die Person dann hochziehen. Dass der Rettungsring nichts bringt war mir aber vorher schon bewusst und wurde dann ja auch bestätigt. Dazu wurde mir während der Tauchgangsplanung gesagt, wen ich während der Szenarien auf dem Boot um Hilfe fragen könnte, zum Beispiel auch die anderen Guides und Tauchlehrer, wenn diese gerade nicht mit ihrem Kurs beschäftigt sind. Als ich dies beim Montieren des Sauerstoffkits getan habe, war Hilfe dann doch nicht möglich. Ich finde das blöd, solche falschen Erwartungen zu beschwören. Auch die Bootscrew war bei den Übungen nicht besonders kooperativ, anders als mir vorher gesagt wurde. Als ich zum Beispiel beim letzten Abschleppen mit der Pfeife an meinem BCD pfiff und dem Captain zugewunken habe, hat er telefoniert, mich angeschaut und gesehen, sich dann aber einfach umgedreht und ist wieder in seiner Kapitänsbrücke verschwunden. Vielen Dank für die Hilfe! Von daher werde ich mich beim nächsten Mal während der Übungen nicht auf andere verlassen sondern gleich mit der Erwartungen herangehen, dass ich sowieso alles alleine machen darf. Die Übungen entsprechen sowieso niemals einem Ernstfall: In einer wirklichen Notfallsituation würden die anderen Tauchlehrer an Bord, die auch Rescue Diver sind, ja auch nicht tatenlos rumstehen und das Geschehen noch kommentieren.

Nach den Übungen war ich körperlich und mental ganz schön fertig. Unser Boot war auch sehr spät dran an dem Tag und wir waren erst nach 18 Uhr am Pier. Normalerweise sind wir gegen 17 Uhr zurück. Das Wetter war weiterhin sehr bescheiden, die Rückfahrt zum Pier eine sehr wellige Schaukelei und es regnete immer noch. Mir war einfach arschkalt. Daher wollte ich nach dem Duschen schön scharf thailändisch essen gehen um eine Erkältung abzuwenden. Wir waren in der Garküche, wo ich auch mittags schon zum Essen war. Allerdings haben wir die falschen Plätze gewählt, die zu einer anderen Küche nebenan gehörten. Beide Küchen liege  aber unter dem selben Dach und es war schwierig zu sehen, dass es tatsächlich zwei verschiedene waren. Das Essen dort war nicht so gut wie bei der anderen Küche. Naja, aus Fehlern lernt man. Das hat mich der Tag ja sowieso schon gelehrt.

Tag 51, 18.05.: Freier Tag.

Am Donnerstag hatte ich einen Tag frei um die Übungen aus dem Rescue-Kurs sacken und nochmal Revue passieren zu lassen. Ich schlief aus, bis 8 Uhr. Hier in Thailand schlafe ich generell viel weniger als daheim und bin meistens vor 7 Uhr wach. Daher ist 8 Uhr für mich schon echt lang.

Ich nutzte den frühen Morgen um eine kleine Hausaufgabe vom gestrigen Tag zu erledigen: Das Aufschreiben der Rettungskette bzw. eines Emergency Assistance Plans. Hierfür war etwas Recherche notwendig, z.B. um die Kontaktnummern der lokalen und internationalen Notrufe oder der nächsten Druckkammer herauszufinden. Nach zwei Stunden war ich damit fertig.

Emergency Assistance Plan
Emergency Assistance Plan

Anschließend habe ich noch ein bisschen im Internet und Bad rumgetrödelt bevor ich gegen 11 Uhr zum Frühstück rüber in die Downstreet gefahren bin.

Kleiner Exkurs: Um zum Pier von Koh Tao in dem Dorf Mae Haad zu gelangen, muss man von der Hauptstraße der Insel eine Straße den Berg runterfahren. Diese Straße wird als Downstreet bezeichnet. Die Downstreet ist eine Einbahnstraße und darf  (offiziell) nur bergab befahren werden. Die Straße die vom Pier bergauf wieder auf die Hauptstraße führt wird Upstreet genannt. Beide Straßen sind Einbahnstraßen.

Das Café in dem ich frühstücken war hieß Mania’s. Draußen hängt ein Schild auf dem  Travel Agency steht, sie haben aber auch ein kleines Café. Der Espresso dort war sehr gut, erst recht für ein Reisebüro. Aber das Müsli mit Früchten war eher ein Obstsalat. Es war trotzdem sehr frisch und lecker aber für mich nicht wirklich sättigend weil zu viel Frucht- und damit Zuckeranteil.

Den Mittag und Nachmittag habe ich mit der mentalen und visuellen Wiederholung der Übungen zum Rescue-Kurs und am Strand mit dem Lesen eines Buches verbracht. Mir war ja bereits bewusst, dass ich die Übungen in den nächsten Tagen wiederholen darf. Die Anforderungen an einen DMT sind eben auch besonders hoch. Etwas mehr Vorbereitung kann also nicht schaden. Zwischendrin war ich auch noch Mittagessen und Kaffeetrinken. Die Verkäuferin meinte der Kaffee sei so stark, sie können ihn selbst nicht trinken und verstehe nicht wie ich ihn schwarz trinken kann. Genau der richtige Kaffee für mich.

Das Buch welches ich gelesen habe hat den Titel „Life is what you make it“ von Peter Buffett, dem Sohn von Star-Investor Warren Buffett. Ich war mir damals nicht darüber bewusst, wer der Autor ist, und kaufte das Buch weil es ein New York Times Besteller ist und gute Rezensionen erhalten hat, nicht wegen des Namens, falls das irgendeine Rolle spielen sollte. Das Buch hat mir aber nicht getaugt. In weiten Teilen behandelt Buffett, dass sein Vater zwar reich sei, er aber nie den Druck verspürt habe, genauso reich zu werden oder seinem Vater in die Fußstapfen zu treten und sein Elternhaus ihm diese Freiheit ermöglicht hat. Deswegen sei er nicht so ein verwöhnter Bengel, wie es oftmals bei solchen Familien üblich ist. Stattdessen entschied er sich für seinen eigenen Weg als Musiker. Seine Quintessenz ist, dass jeder den Weg finden soll, der ihn glücklich macht und nicht einen Job des Geldes wegen annehmen soll. Aber klar, wenn Vati Multimilliardär ist, muss man sich auch keine Sorgen um Existenzielles wie eine warme Mahlzeit auf dem Tisch machen und kann machen worauf man Lust hat. Es ist schon witzig, dass Buffett selbst Studien erwähnt, dass der soziale Stand der Eltern den sozialen Stand der Kinder vorbestimmt, dann aber wieder behauptet jeder könne aus diesem Zyklus ausbrechen. In Wirklichkeit ist das häufig nicht so der Fall. Ich würde das Argument gerade so auslegen: Wenn Papa einer der reichsten Männer der Welt ist, stehen einem besonders viele Türen in der gesellschaftlichen Elite offen. So hat es Buffett im Leben wahrscheinlich einfacher als die meisten anderen Menschen.

Die einzigen beiden Stellen an denen mir das Buch halbwegs interessant erschien, sind wo Buffett über Fehler und Erfolg schreibt. Er schreibt sehr treffend, dass Fehler menschlich sind und als eine Möglichkeit zum Lernen und zur Verbesserung genutzt werden sollten. Ferner entmachtet er die Definition von Erfolg über materiellen Besitz oder die Größe des Gehaltschecks. Beide Aussagen sind aber eher als selbstverständlich zu betrachten. Wer das nicht so sieht, sollte vielleicht doch mal in das Buch schauen.

Gegen 18 Uhr bin ich den Strand von wo ich lag runter zur Tauchschule gelaufen um noch eine Runde Frisbee zu spielen. Als ich anschießend den Chef fragte wie es nun weitergeht, sagte er es sei nun zu spät um mich auf das Spätboot am Freitag zu setzen. Das Boot war auch schon gut voll. So entschieden wir, dass ich auch den Freitag frei habe und erst am Samstag wieder auf das Frühboot gehe. Yeah, noch ein Tag frei!

Am Abend bin ich in das La Carotte Qui Rit in der Upstreet — was die Upstreet ist, habe ich ja oben erklärt — drüben in Mae Haad. Die weinende Karotte ist ein vegetarisches Restaurant, d.h. (oh Wunder, oh Wunder) es gibt dort keine Fleischgerichte. Ich bestellte die Summer Rolls und ein Reis-Tofu-Gericht. Insgesamt war das Essen sehr mächtig, weil beide Gerichte mit einer Erdnuss-Soße serviert wurden, sowie in dem Reis-Tofu-Gericht auf noch Süßkartoffeln drin waren. Vielleicht sollte ich mich beim nächsten Mal auch einfach mehr zügeln und weniger bestellen, dann bin ich danach nicht so überfressen. Dennoch war das Essen lecker! Allerdings auch leicht teurer, als wenn man zum normalen Thai geht. In Thailand ist vegetarisch essen aber generell immer etwas teurer, es ist einfach nicht so ein Trend wie bei uns in Europa. Oftmals gibt es keine vegetarischen Gerichte oder man bezahlt das gleiche wie für ein Gericht mit Fleisch. Und ständig nur gebratenen Reis mit Gemüse zu essen ist auch nicht so geil. Da bietet die Karotte schon wirklich mehr Abwechslung.

Tag 52, 19.05.: Noch ein freier Tag.

Nachdem ich am Vorabend erfahren habe, dass ich den Freitag auch frei hatte, schlief ich erstmal wieder bis 9 Uhr aus. Dann ging es direkt zum Frühstück in das Café wo ich gestern den „starken Kaffee“ bekommen habe. Ich orderte bei der netten Dame wieder den starken Kaffee von gestern 😊, dazu mein übliches Bananen-Porridge.

Die Zeit bis zum Mittagessen nutzte ich noch mal intensiver um die Übungsvideos zum Rescue-Kurs bei SSI anzuschauen, die notwendigen Schritte aufzuschreiben und zu verinnerlichen. Außerdem blätterte ich noch mal die Theorie des Rescue-Kurses und des Erste-Hilfe-Kurses durch und schrieb mir wichtige Stichpunkte nieder. Die Stichpunkte schrieb ich erst auf Schmierpapier und tippte alles anschließend auf dem Laptop ein.

Um die Mittagszeit war ich in der Tauchschule und ging zwei Häuser weiter im InTouch Mittagessen. Anschließend habe ich mir noch im Permpoon, das zum Sairee Cottage gehört, ein Oreo Cookie Eis gegönnt. Das Permpoon soll das beste Eis der Insel haben und es ist wirklich sehr gut dort. Ob es das beste ist? Kann ich nicht beurteilen, so viele Eis habe ich hier noch nicht probiert, aber ein besseres habe ich auch noch nicht gegessen.

Weil ich mein einziges Handtuch am Morgen in die Wäsche gegeben habe, es aber echt sau warm war und die Sonne gebrannt hat, wollte ich unbedingt an den Strand. Schließlich habe ich auch nicht jeden Tag frei und so viel Zeit faul im Sand rumzuliegen und den Speck zu brutzeln. Also entschloss ich mich mit dem Roller den Berg hoch zum Smile Mart, einem großen Supermarkt, zu fahren und dort ein Handtuch zu erstehen. Das Handtuch kostete dort ฿275. Bei meinem ersten Besuch auf Koh Tao habe ich eines in der Walkingstreet bzw. Strandpromenade für ฿420 erstanden. Erschien mir daher ein guter Preis und ich kaufte das Handtuch. Danach fuhr ich wieder runter zu meiner Unterkunft, stellte den Roller ab und lief los Richtung Strand. Doch am Strand bin ich nie so richtig angekommen, sondern machte im Blue Water halt und trank einen Cappuccino, immerhin mit Strandblick. Für aufmerksame Leser wird auch das Blue Water nicht neu sein, hier war ich schon zweimal. Ich packte meinen Laptop aus und fuhr mit dem Lernen für den Rescue-Kurs fort. Das Handtuch habe ich also vorerst umsonst gekauft.

Cappuccino im Blue Water
Cappuccino im Blue Water

Am Abend war ich wieder in der Garküche am großen 7eleven. Ich hab’s mir wieder richtig gut gehen lassen und ein Gai Pad Gratiem Prik Thai (Fried Garlic and Pepper with Chicken), ein Som Tam (Papaya Salad) und einen frischen Coconut Shake bestellt. Das Som Tam war schön feurig scharf, yummy! Das Fried Garlic and Pepper habe ich zum ersten mal gegessen und es schmeckt einfach so unglaublich gut, dass ich jetzt schon weiß, dass es nicht das letzte mal gewesen ist. Für das gesamte Festmahl zahlte ich übrigens nur ฿190, also keine 5€.

Gai Pad Gratiem Prik Thai und Som Tam
Gai Pad Gratiem Prik Thai und Som Tam

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