Verlorenes Blei und große Fische

Tag 41, 08.05.: Verlorenes Blei.

Am Montag war ich wie geschrieben auf dem Spätboot. Die Uhrzeit für den Treffpunkt beim Nachmittagsboot ist 13 Uhr. Also eigentlich spät genug zum Ausschlafen. Eigentlich. Wenn man sich nicht für 8 Uhr zum Frühstück verabredet. Also waren wir um 8 Uhr im Café del Sol drüben in Mae Haad beim Pier frühstücken.

Danach bin ich kurz in die Tauchschule. Eigentlich wollte ich gar nicht lange bleiben, weil ich noch etwas zu erledigen hatte und dann gegen 12 Uhr zum Nachmittagsboot kommen wollte. Tja, so war ich nun doch dort und mir wurde der Besen in die Hand gedrückt. Ich solle beim Saubermachen helfen: Einmal Durchfegen, die Becken für das Putzen des Equipments reinigen und das Wasser in den Becken auswechseln. Nach getaner Arbeit habe ich mich dann aber erstmal verabschiedet und meine Sachen erledigt.

Um 13 Uhr ging es dann auf das Nachmittagsboot. Wir haben zuerst Twins und anschließend Three Rocks angesteuert. Die typische Tour am Nachmittag. Bei Twins wurden wir beim Abstieg von einem Triggerfish (Drückerfisch) belagert. Er umkreiste uns. Während einer der Fun Diver aus der Gruppe etwas Probleme mit dem Druckausgleich hatte und wieder Richtung Oberfläche tauchte, kam der Fisch ihm schon verdammt nahe, bis auf ca. einen Meter. Dann schwamm er auf mich zu und stellte seinen Trigger hoch — das Zeichen, dass er aggressiv ist. Ich machte mich bereit ihm meine Flosse entgegenzuhalten. Dort kann er im Zweifel dran knabbern. Wirklich gefährlich ist der Fisch aber nicht und auch maximal nur einen halben Meter groß. Er ist einfach nur nervig und meint er sei der Größte. Zum Glück drehte er dann doch ab und zog davon. Endlich konnten wir uns auf das Tauchen konzentrieren. An Three Rocks haben wir gleich nach dem Abstieg die Wasserschildkröte gefunden. Wir schauten ihr ein paar Minuten lang zu. Weil das Wasser hier nicht besonders tief war und ich das Korallenfeld am Boden nicht mit meinen Flossen berühren wollte, tarierte ich im Schneidersitz aus und schwebte wie ein Guru durch das Wasser. So zeigen die Flossen nicht nach unten und verlängern den Körper nicht. Die Gefahr Korallen zu zerstören ist geringer. Wir warteten an der Schildkröte auf die Schülergruppe, die mit uns auf dem Boot war. In der Regel muss man die Schildkröte etwas länger suchen. Die Gruppe, die die Schildkröte zuerst findet, signalisiert dies dann der anderen Gruppe mithilfe der Boje. Als die Schülergruppe nicht erschien, schwammen wir schließlich weiter. Weil ich  als DMT hinter der Fun Diver Gruppe hinterherschwamm, war ich der einzige der an diesem Tag den weißen Feuerfisch entdecken sollte. Ich versuchte durch Klopfen mit meinem neuen Pointer auf den Tank krampfhaft auf mich aufmerksam zu machen. Allerdings ohne Erfolg. Als ich nach vorne schwamm und endlich Aufmerksamkeit erlangte und wir zusammen zurückgeschwommen sind, um den Feuerfisch zu suchen, konnte ich ihn nicht mehr finden.

Nach der Rückkehr vom Boot wartete noch ein Nachttauchgang im Rahmen des Spezialkurses Nachttauchen auf mich. Doch zunächst mussten wir auch hier wieder einen kleinen Test mit 25 Fragen beantworten. Nicht besonders schwierig. In der Zwischenzeit konnten wir den wunderschönen Sonnenuntergang am Sairee Beach genießen.

Anschließend sollten wir die Tauchgangsplanung übernehmen und uns einen Kurs für die Navigation überlegen. Wir sollten den Tauchgang dann auch leiten und die Navigation durchführen. Als wir vom Strand vor der Tauchschule aus ins Wasser gelaufen sind, haben wir also ein parkendes Boot mit dem Kompass angepeilt. Leider ist das Boot später weggefahren und so konnten wir es nicht finden. Weil wir aber im flachen Wasser unterwegs waren, konnten wir einfach zur Oberfläche auftauchen und nachschauen wo wir uns befinden. Weil wir eine halbe Stunde später als beim Nachttauchgang am Sonntag ins Wasser gegangen sind, hofften wir auf andere Tiere. Zwar blieb die Hoffnung unverhofft aber es gab auf jeden Fall wieder eine Menge Krebse zu sehen.

Als wir nach dem Nachttauchgang unser Equipment in der Tauchschule auseinander gebaut haben, fiel mir auf, dass eine Bleitasche aus meinem BCD gefehlt hat. (Das BCD hat links und rechts jeweils eine kleine Tasche mit Plastikclip, in der das Bleigewicht reingelegt werden kann und die Tasche dann mit dem Clip im Jacket befestigt wird.) Das BCD war aber nur von Aquamaster zum Ausprobieren geliehen um beide Modelle auszutesten, die sie mir dort angeboten haben. Ich konnte die Bleitasche nirgends in der Tauchschule finden. Sie lag also irgendwo im Wasser. In der Tasche befanden sich 2kg Blei. Insgesamt hatte ich 3kg Blei am Ende bei mir, weil ich normalerweise mit 2kg tauche und mir der Tauchlehrer noch ein Kilo unterwegs gegeben hat. Er hatte das Kilo scheinbar auf dem Meeresgrund gefunden. Wenn man mit 3kg taucht und 2kg verliert, dann sollte man das merken, weil man dann eigentlich wie ein Pfeil nach oben schießen müsste. Deshalb vermutete ich die Tasche eher im sehr flachen Bereich nahe dem Ausstieg, wo der Verlust nicht so stark auffällt. Nachdem ich das restliche Equipment auseinandergebaut und weggeräumt hatte, ging ich noch mal ins Wasser um die Bleitasche zu suchen. Ich nahm mein iPhone, schaltete dessen Taschenlampe ein und lief im Wasser die Route ab, die wir beim Ausstieg nahmen. Das iPhone in der rechten Hand weit nach oben gestreckt wartete ich bei Dunkelheit durch das Meer. Hinter einem Schlauchboot welches vor der Tauchschule in 1,5m Wassertiefe angeleint ist, fand ich die Bleitasche dann tatsächlich! Mir fiel ein Stein vom Herzen! Das Problem war nur, dass ich mein iPhone mit dem Licht in der rechten Hand hatte, aber aufgrund der Wassertiefe die Tasche mit links nicht greifen konnte ohne zu riskieren, dass mein iPhone baden geht. Ich nahm die am Grund liegende Bleitasche schließlich zwischen die Füße und hopste wie ein Häschen durch das Wasser Richtung Strand. Dann war das Wasser seicht genug, dass ich die Tasche mit der linken Hand greifen konnte, ohne dass mein Handy Baden geht. Das war genug Schock für einen Tag! Ab nach Hause unter die Dusche und zum Abendessen.

Tag 42, 09.05.: Kleiner großer Fisch.

Am Dienstag war ich wieder auf dem Frühboot. Es sollte mein vierter und fünfter Tauchgang innerhalb von 24h werden. Ganz schön viel! Und Frühboot bedeutet es geht raus zum Chumphon Pinnacle, wo auch noch tief getaucht wird. Aber weil ich wieder eine Fun Diver Gruppe begleitete und hinterherschwimmen sollte, ist es sowieso besser, wenn ich als DMT etwas flacher über dem Rest der Gruppe tauche um alle im Blick zu haben. Als wir am Pinnacle ankamen, hieß es WHALESHARK! Es war tatsächlich ein Walhai im Wasser. Wir gingen ganz entspannt ins Wasser und tauchten ab. Dann war er da! Ein kleiner Walhai, ca. 3-4m groß (Walhaie können über 30m groß werden). Es war ziemlich viel los unter Wasser, überall waren Taucher die dem Walhai hinterhergeschwommen sind. So wie beim letzten Mal. Wir konnten ihn nur kurz 2 bis 3 Mal sehen.

Nach dem Tauchgang legten wir unsere einstündige Oberflächenpause ein. Wir entschieden uns gegen das Standardprogramm White Rock und dafür am Chumphon Pinnacle zu bleiben, wegen des Walhais. Das Gute war nun, dass vier große Boote anderer Tauchschulen das Pinnacle verließen und mit ihnen die Taucher. Es war also nun generell weniger los und es standen nur noch vier Boote angeleint am Pinnacle. Und dann tauchte der Walhai sogar an einem Boot vor uns, an dem unser Boot befestigt war, nahe der Oberfläche entlang. Man konnte ihn damit sogar vom Boot aus sehen und fotografieren. Viele von unserem Boot nahmen sich ihre Maske und Schnorchel und schnorchelten neben dem Walhai. Dann fuhr das Boot vor uns schließlich ab und wir nahmen seine Parkposition ein. Der Walhai schwamm dann um unser Boot herum und war dem Boot schon fast zum Anfassen nahe. Beim zweiten Tauchgang war es gar nicht notwendig, tief zu tauchen. Bereits als wir im zweiten Tauchgang auf 2-3m Tiefe waren, konnten wir den Walhai sehen, der jetzt im flachen Wasser unterwegs war. Ein mal schwamm er direkt auf mich zu, ich tauchte etwas ab und er schwamm direkt über mir vorbei! Schade, dass ich keine Kamera dabei hatte, aber diese Erinnerung werde ich mir sehr gut aufheben!

Generell ist es bei Sichtung eine Walhais viel schlauer, einfach an einer Stelle zu warten, bis er vorbeischwimmt. Der Walhai schwimmt öfter im Kreis oder in einem Achterkurs. Da bietet sich auch die Möglichkeit ihn zu schneiden. Wenn er schnell unterwegs ist, kann man ihm sowieso nicht folgen. Außerdem ist das Hinterherschwimmen anstrengend und erhöht damit den eigenen Luftverbrauch. Das wird dann ein kurzer Tauchgang und man will den Walhai ja länger genießen. Hinzu kommt, dass der Walhai auf- und abtauchen kann wie er lustig ist. Für einen Sporttaucher wird das zu Gefahr. Also lieber in geringerer Tiefe warten, das mindert den Luftverbrauch zusätzlich. Wir verbrachten die meiste Zeit im zweiten Tauchgang auf ca. 5-7m Tiefe. Was jedoch ankotzt sind die Chinesen, die meinen den Walhai anfassen zu müssen. Das arme Tier wird so oder so schon von genug Tauchern verfolgt, die ihm den Weg versperren. Dann muss man den Walhai nicht anfassen, oder ihm generell zu nahe kommen. Kann auch gefährlich sein, wenn man einen Flossenschlag abbekommt. Chinesen sind unter Wasser eben genauso respektlos wie an Land.

Wegen dem bestandenen Spezialkurs zum Nachttauchen habe ich wieder ein neuen Tauchschein erhalten. Von SSI habe ich deswegen auch die Sonderzertifizierung Advanced Open Water Diver (AOWD) bekommen, die man bei 4 absolvierten Spezialkursen und 24 gelogten Tauchgängen bekommt. Mit 50 Tauchgängen (ich bin derzeit bei 42) und einer weiteren Zertifizierung bekomme ich den Status Master Diver (nicht zu verwechseln mit dem Divemaster der ein Profitauchschein ist). Allerdings muss ich noch zwei weitere Spezialkurs-Zertifizierungen als Grundlage für meine Ausbildung machen: Den React Right Spezialkurs und den Diver Stress & Rescue Spezialkurs. Damit erhalte ich dann den Master Diver Status sowieso. Vor ein paar Tagen habe ich die ganzen Spezialkurse, Tauchscheine und Statuszertifizierungen schon vorgestellt.

Am Nachmittag habe ich das geliehene BCD zurück zum Aquamaster Shop in Mae Haad gebracht. Insgesamt war ich mit dem BCD sehr zufrieden. Vor allem die Taschen und D-Ringe bieten viel Platz für die ganzen Kleinteile des Equipments. Mal sehen, wie sich das andere Modell macht. Dieses wird die nächsten Tage in die Tauchschule gebracht. Zurück vom Aquamaster Shop war ich im Blue Water einen Coldbrew Kaffee trinken. Kalter Kaffee ist viel angenehmer als heißer Kaffee bei der Nachmittagshitze.

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