Tieftauchen und Nachttauchen

Tag 38, 05.05.: Noch mehr Ausrüstung.

Nach dem ganzen Theorieunterricht und der Praxisausbildung für die Spezialkurse war ich am Freitag einfach wieder zum Spaß tauchen (Fun Dive). Einfach um Tauchgänge und Erfahrung zu sammeln. Weil ich auf dem Frühboot unterwegs war, ging es wie immer zum Chumphon Pinnacle und anschließend zum White Rock. Leider ließ sich der große Fisch auch heute nicht blicken. Es bringt übrigens Pech den großen Fisch beim Namen zu nennen 😀. Deswegen nenn ich ihn hier nur noch den großen Fisch. Aber da sieht man mal, wie viel Glück ich hatte, ihn während meines ersten Aufenthalts auf Koh Tao zu sehen. Aber irgendwann in der letzten Woche ließ sich wieder einer am Pinnacle blicken. Leider habe ich ihn allerdings nicht gesehen, weil ich an dem Tag seines Erscheinens auf dem Nachmittagsboot war, obwohl ich ursprünglich für das Frühboot geplant war, dann aber weil zu voll doch noch auf das Nachmittagsboot verschoben wurde. Naja, auch nicht so mega tragisch. Bin ja schon einem begegnet. Und wie es aussieht, lassen die sich in letzter Zeit auch öfter hier um Koh Tao blicken. Vielleicht habe ich noch mal das Vergnügen mit einem zu tauchen.

Am Nachmittag war ich wieder bei DiveSupply, wo ich am Dienstag schon ein paar Ausrüstungsteile für’s Tauchen gekauft habe. Dieses Mal kaufte ich mir einen Pointer, ein einfacher Metallstab mit Clip für das Tarierjacket (฿485), eine Surface Marker Bouy (SMB) (฿1,250), eine Schnurr mit Spule für die SMB (฿765), und eine Taschenlampe (฿3,460). Der Pointer ist praktisch, weil man mit ihm an den Tank klimpern kann und man so Aufmerksamkeit unter Wasser erregen kann. Schließlich kann man unter Wasser nicht rufen, das klimpernde Geräusch hört man allerdings sehr gut und auf weite Distanz. Mit dem Pointer kann man sich auch an scharfen Stellen eines Wracks oder auf dem Boden oder dem Riff abstützen und so Abstand halten. Die SMB braucht man als professioneller Taucher. Sie wird mit Luft gefüllt, schießt dann an die Wasseroberfläche und markiert, dass sich Taucher unter Wasser befinden. Sie ist knallrot mit der Aufschrift “Diver Below”. Man verwendet sie vor dem Auftauchen bzw. wenn man sich 5m unter der Wasseroberfläche befindet um Booten zu signalisieren, dass sich hier Taucher nahe der Wasseroberfläche befinden und keinen neuen Haarschnitt möchten. Eine Taschenlampe ist immer ganz hilfreich um in dunkle Spalten im Riff zu leuchten, sogar bei Tageslicht, denn ab 10m Tiefe wird es schon etwas dunkel. Je tiefer man taucht, desto mehr Farben des Lichts werden von dem Wasser gefiltert, sodass die Farbe Rot (längste Wellenlänge) bereits ab 10m Tiefe gefiltert wird und als Braun erscheint. Wenn man rote Objekte dann anleuchtet, erscheinen sie auch wieder in Rot. Und für einen Nachttauchgang ist eine Taschenlampe natürlich unverzichtbar.

Anschließend war ich noch beim Aquamaster Shop um mich nach einem Tarierjacket (Bouyancy Control Device, BCD) und einem Atemregler zu erkundigen. Die beiden Sachen fehlen mir noch um meine Ausrüstung zu komplettieren, sind aber auch die mit Abstand teuersten Teile der Ausrüstung. Ich ließ mich von einer Verkäuferin beraten. Sie konnte, anders die Verkäuferin als bei DiveSupply, gutes Englisch. Sie war allerdings auch Europäerin. Ich probierte zwei Jackets an und sie bot mir an, dass ich beide Jackets beim Tauchen ausprobieren könne. Zusätzlich bot sie mir als DMT 10% Rabatt an und eine Promotion-Aktion: Wenn ich das Jacket zusammen mit einem Atemregler kaufe, erhalte ich einen Tauchcomputer umsonst. Wir verblieben erstmal dabei, dass ich das Jacket ausprobiere. Sie bot mir an, das Jacket zu meiner Tauchschule zu bringen, sobald das Probierexemplar wieder im Shop sei. Ein Verkäufer im Shop riet mir auch mal den Chef der Tauchschule zu fragen, wie viel Rabatt er bekommt und zu evaluieren ob das für mich besser sei. Mir wurden zwei Modelle angeboten, eines für ฿28,490 und eines für ฿21,450. Das Paket des Atemreglers mit erster und zweiter Stufe (฿18,400), dem Oktopus (Zweitversorgung) (฿6,490) und dem Manometer (฿3,550) kostest insgesamt zusätzliche ฿28,440. Bei einem Wechselkurs von 1€ zu ฿38 im Moment wären das mind. ฿21,450 bzw. ca. 560€ für das BCD und ฿28,440 bzw. ca. 747€ für die Atemversorgung. Das BCD kann man in Deutschland für ca. 400€ kaufen. Das heißt alleine bei dem günstigeren BCD würde ich schon 160€ mehr zahlen, nur damit ich es gleich und hier auf Koh Tao habe. Bei dem Paket für die Atemversorgung wird das nicht anders sein. Nagut, man muss noch die 10% DMT-Rabatt draufrechnen, aber trotzdem ist die Differenz gewaltig. Der Listenpreis für den geschenkten Tauchcomputer aus der Promotion-Aktion wäre ฿11,600 also ca. 305€. Laut Preissuchmaschine bekommt man ihn in Deutschland aber auch schon ab 180€. Soo schlecht ist das Gesamtpaket mit der Promo-Aktion also doch nicht. Aber erst mal werde ich beide BCDs ausprobieren.

Nebenbei bin ich nun tatsächlich aus dem Bungalow wieder ausgezogen. Die zweite Nacht verschaffte mir die Gewissheit: Das ist nichts für mich. Nun wohne ich in einem kleinen Zimmer mit Bad im Prik Thai direkt am Sairee Beach. Das erspart mir den Weg den Berg rauf bzw. runter und ich kann zu Fuß zur Tauchschule laufen, sowie zum Abendessen in die Restaurants in Sairee. Das Zimmer ist auch deutlich günstiger: ฿6,500 pro Monat, inklusive Strom und Wasser. Für das Frühstück, vor allem vor dem Frühboot, habe ich mir noch einen Wasserkocher für ฿400 (knapp über 10€) gekauft mit dem ich mir morgens wenigstens einen Instant-Kaffee machen kann. Was freue ich mich auf meine Kaffeemaschine in Frankfurt und einen ordentlichen Kaffee 🙃. Wobei es hier auch ganz gute Cafés gibt. Aber weil das Frühboot so früh fährt, klappt das mit dem Frühstücken gehen vorher nicht. Das klappt zeitlich nur wenn ich auf dem Nachmittagsboot bin.

Tag 39, 06.05.: Noch mehr Spezialkurse.

Auch der Samstag begann mit der Fahrt auf dem Frühboot. Das heißt also wieder Chumphon Pinnacle und White Rock. Am White Rock habe ich dieses Mal einen kleinen Oktopus im Riff entdeckt. Das erste Mal, dass ich einen Oktopus auf Koh Tao gesehen habe. Ich schaute ihm eine Weile lang zu, wie er die Farben gewechselt hat: Von Schwarz zu einem Tarnmuster, wieder zu Schwarz.

Mit der Ausrüstung, die ich mir bisher gekauft habe bin ich soweit sehr zufrieden. Die Flossen und die Maske gefallen mir und sitzen gut. Die neue SMB habe ich am Samstag auch direkt ausprobiert. Das ist gar nicht so einfach: Wenn die Boje mit Luft gefüllt wird, hat sie extremen Auftrieb und schießt nach oben. Man muss die Spule daher schön laufen lassen, sonst wird man von der Boje in Richtung Wasseroberfläche mitgezogen. Ich habe die SMB erst nach dem Sicherheitsstopp (für 3 Minuten auf einer Tiefe von 5 Metern verbleiben um den Stickstoff im Körper abzuatmen) ausprobiert und abgefeuert. Von daher war es kein Problem, dass ich einen Meter nach oben gezogen wurde. Normalerweise muss man als Guide die Boje aber schon vor dem Sicherheitsstopp auf 5m Tiefe abfeuern. Weil 5m schon zu nahe an der Wasseroberfläche ist und ein vorbeifahrendes Boot den Kopf rasieren würde. Wenn man vor dem Sicherheitsstopp nach oben gezogen wird, kann das schädlich für die Gesundheit sein, weil der Körper den Stickstoff nicht langsam genug abbaut und im schlimmsten Fall kann eine Dekompressionskrankheit auftreten.

Zurück vom Boot in der Tauchschule erfuhr ich, dass am Sonntag der Spezialkurs für das Tieftauchen, Specialty Course Deep Diving (SC-DD), stattfinden soll. Demnach verbrachte ich den restlichen Samstagnachmittag mit dem Lernen der Theorie für den Spezialkurs Tieftauchen. Außerdem erfuhr ich, dass ich am Sonntag und Montag Nachttauchgänge für den Spezialkurs Nachttauchen, Specialty Course Night Diving and Limited Visibility (SC-LV), haben werde.

Am Nachmittag traf ich mich mit dem Vermieter des Bungalows, in dem ich zwei Nächte lang wohnte. Er war nicht sehr erfreut darüber, dass ich noch keine Miete gezahlt hatte, weil er mit dem Geld plante und ich nun aber ausziehe. Wir sprachen darüber, ich gab die Schlüssel zurück, entschuldigte mich, dass es so gelaufen ist und wir trafen letztendlich eine Übereinkunft. Für den Bungalow habe ich ฿10,000 Key Deposit hinterlegt. Diese wird er vorerst einbehalten, weil er wegen mir anderen Interessenten abgesagt hat und nun keine Mieteinkünfte erzielt. Wenn er in den nächsten Tagen einen Mieter findet, dann zahle ich die anteilige Miete bis dahin und erhalte einen Teil des Deposits zurück. Falls sich kein Mieter finden lässt, dann behält er den Deposit. Tja, bleibt mir keine andere Wahl. Ich rechne aber nicht damit, das Geld noch mal zu sehen.

Tag 40, 07.05.: Tieftauchen.

Am Sonntagmorgen ging es für den Spezialkurs Tieftauchen erneut aus das Frühboot. Der Wasserkocher hat sich ausgezahlt. Für das Tieftauchen auf bis zu 40m braucht man tiefe Gewässer. Und die gibt es gerade so am Champhon Pinnacle. An der HTMS Sattakut, dem Schiffswrack vor Koh Tao, fand dann der anschließende Wiederholungstauchgang auf 30m statt.

Wir führten Übungen auf dem Boot und unter Wasser durch. Die Tauchlehrerin zeigte uns drei Schülern nach und nach eine Tafel mit Symbolen, in denen Zahlen stehen. Es gab drei Arten von Symbolen. Je nach Symbol soll man sich entweder an die Stirn, die Nase oder das Kinn fassen. Und das in der richtige Reihenfolge der Zahlen nach, wobei man die Zahlen erst suchten musste, denn die Symbole waren durcheinander. Warum haben wir das gemacht? Um den Unterschied zwischen Land und 40m Tiefe darzustellen: In größeren Tiefen binden sich aufgrund des Drucks mehr Gase in Flüssigkeiten. So bindet sich mehr Stickstoff im Körper, was eine Stickstoffnarkose, den sogenannten Tiefenrausch, auslösen kann. Das bewirkt einen Zustand wir betrunken, man kann euphorisch oder depressiv werden, je nach Laune. Dieser Zustand kann auf 40m zu einer Gefahr für sich selbst werden. Natürlich waren wir bei der Übung unter Wasser auf 40m langsamer, weil das Gehirn durch den Tiefenrausch langsamer arbeitet. Außerdem sollten wir eine Tomate auf 40m identifizieren. Ich habe es als Kartoffel identifiziert. Wie zuvor geschrieben, sieht man unter Wasser recht schnell keine rote Farbe mehr und die Tomate erschien braun.

Im Wiederholungstauchgang am Wrack war so schlechte sicht, man konnte gerade so die Flossen des Vordermanns erkennen. Außerdem habe ich mich beim Abtauchen gewundert, wo denn nun das Wrack ist, bis auf einmal eine rostige Stahlwand direkt vor mir in der Kartoffelsuppe (metaphorisch gemeint wegen der ganzen Schwebepartikel) auftauchte. Wir haben auch einen aus der Gruppe aufgrund der Sicht verloren, ihn aber zum Glück nach 2-3 Minuten wiedergefunden.

Nach den Tauchgängen hatten wir in er Tauchschule noch den üblichen Theorietest mit 25 Fragen. 0 Fehler, Zertifizierung geschafft! Nun darf ich auch bis auf 40m tauchen, das Limit des Sporttauchens. Den restlichen Nachmittag verbrachte ich mit den 5 Theoriekapiteln des Spezialkurses zum Nachttauchen und deren Wiederholungsfragen. Wirklich viel spannenden Inhalt hat der Spezialkurs nicht. Es ist immer noch dasselbe Tauchen wie beim Tageslicht. Nur braucht man eben eine Taschenlampe um etwas sehen zu können. Wichtig ist eben auch die Navigation bei Nacht, aber dafür habe ich bereits den Spezialkurs zur Navigation abgeschlossen.

Am Abend waren wir dann Nachttauchen. Nach einer kleinen Einheit Theorie bestehend aus Lehrvideos und Erläuterungen ging es bei Nacht in das Wasser. Von der Tauchschule aus sind wir mit angezogener Ausrüstung über den Strand direkt in das Wasser gelaufen. Im knietiefen Wasser haben wir die Flossen angezogen und sind zum Sairee Reef rausgeschwommen. Bei Nacht gibt es Tiere zu sehen, die tagsüber schlafen und jetzt auf die Jagd gehen. So zum Beispiel Muränen und Krustentiere. Und tatsächlich haben wir viele Krebse, Shrimps und auch eine Muräne gesehen. Das Tauchen ist an sich etwas abenteuerlicher, eben weil man nur ein eigeschränktes Sichtfeld hat. Auch die Tauchinstrumente wie das Finimeter mit der Druckanzeige des Tanks oder der Tauchcomputer sind schwerer zu lesen, weil man sie mit der Taschenlampe anleuchten muss. Im Großen und Ganzen aber nichts Neues. Zwischendrin haben wir uns auch in den Sandboden gekniet und die Taschenlampen in Richtung unseres Brustkorbs gepresst um die vollständige Dunkelheit unter Wasser zu erleben. Es ist genauso wie an Land: Nach einer Minute gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit und man kann ohne Licht, nur mit dem Licht des Mondes, unter Wasser sehen.

Das ganze Tauchen, frühe Aufstehen für das Frühboot und vor allem die tiefen Tauchgänge machen mich einfach extrem müde. Dazu kommen noch die ganzen Theorieeinheiten für die Spezialkurse, die noch mal müder machen und auch Zeit in Anspruch nehmen. Deswegen habe ich die letzte Woche hier auch so wenig geschrieben. Nach dem Abendessen bin ich dann meist so müde, dass ich einfach nur noch schlafen will (schließlich musste ich ja auch immer wieder früh raus am nächsten Tag). Trotzdem sind wir nach dem Abendessen fast jeden Tag noch in der Diza Bar um „4 gewinnt“ zu spielen. Morgen, am Montag, muss ich auch erst auf das Nachmittagsboot 😊. Das heißt ich kann mal wieder etwas länger schlafen.

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