Wie meine Reise eine andere Richtung nimmt

Tag 23: Eigentlich nichts Aufregendes.

5:30 Uhr Donnerstagmorgen. Ein muslimisches Gebet in arabischer Sprache ertönt aus Lautsprechern und hallt über das gesamte Phi Phi Village. Viele Thais hier sind Muslime, manche Frauen tragen ein Kopftuch. Man kann über das Lautsprechergebet eigentlich drüber hinweg schauen, nach ca. einer Minute ist der Spuk vorbei und man kann weiterschlafen. Aber auch wenn ich hier in einem fremden Land zu Gast bin und mich der Kultur anpassen sollte, bleibt mein Standpunkt derselbe: Jeder soll an das glauben was er will, aber dabei andere Menschen in ihrer Freiheit nicht einschränken.

Nach einer weiteren Runde Schlaf, ging ich zum Frühstück und anschließend an den Strand. Was ein verrückter Typ. Ich war fast der einzige um die Mittagszeit am Strand. Verständlich, denn Mittags knallt die Sonne am stärksten. Allerdings genoss ich die Ruhe am Strand mit einem guten Buch. Wo wir gerade beim Thema Religion und imagined realities waren. Das Buch, welches mich zurzeit fesselt, hat den Titel Sapiens: A brief history of mankind. von Yuval Harari (auf Deutsch: „Sapiens. Eine kurze Geschichte der Menschheit“). Ich lese das englischsprachige Original. Ein Sachbuch, das kein Sachbuch ist, weil es mit einer leichten Sprache ohne akademischen Schnickschnack geschrieben ist, aber dennoch einen äußerst akademischen Anspruch hat. Es stellt verschiedene Theorien zur Menschheitsgeschichte aus der Forschung differenziert dar und verweißt — akademisch korrekt — an den entsprechenden Stellen auf weitere Quellen. Inhaltlich befindet sich das Buch irgendwo zwischen Geschichte, Sozialwissenschaft und Biologie wieder. Gerade das macht die vielen Facetten des Buches aus und gibt uns einen weitreichenden Blick auf unsere eigene Geschichte, den wir vorher so noch nicht wahrgenommen haben.

Am Nachmittag wurde mir die Hitze am Strand zu viel und ich habe einen kleinen Spaziergang rund um das Phi Phi Village gemacht. Im Paradies hat man übrigens ganz andere Probleme:

Mein Spaziergang führte mich zur Loh Lana Bay. Das ist der Strand an dem mich das Longtail-Taxi bei meiner Ankunft abgesetzt hatte. Als ich den dortigen Strand ablief fiel mir erneut auf, wie vermüllt der Strand ist. Tatsächlich eine einzige Müllhalde. Vielleicht ist deswegen hier kaum ein Mensch. Oberhalb des Strandes stehen nicht fertiggestellte Bungalows im Rohbau, die nun von Bienen bewohnt werden. Und auch hier oberhalb des Strandes liegt sehr viel Müll der hier einfach abgeladen wurde. Ohne dem Tourismus die Schuld abzusprechen, der meiste Müll wie alte Bootsteile oder Holzbretter können nicht von Touristen stammen. Die Thais selber vermüllen diesen wunderschönen Strand. Es ist auch eigentlich ein Witz, dass jeder Besucher beim Betreten der Insel am Ton Sai Pier ฿20 Umweltgebühr entrichten muss, am Strand in der Loh Lana Bay aber kein einziger Mülleimer steht. Wo fließt das Geld hin, wenn man damit nicht mal (ausreichend) Mülleimer aufstellt?

In 2016 wurde in den Mägen von an der Nordsee gestrandeten Pottwalen teilweise obskure Platikteile und anderer Müll gefunden. Der Mensch macht diesen Planeten und seine Artenvielfalt kaputt. So auch diese eigentlich wunderschöne Insel, die unter dem Tourismus und dem Müll leidet. Gewissermaßen trage ich leider dazu bei.

Übrigens ist Phi Phi Don wie die gesamte Westküste Thailans ein Tsunami-Gefahrengebiet. Wie auch auf der großen Insel Phucket wurde Phi Phi nach dem Erdbeben im Indischen Ozean 2004 von dem Tsunami getroffen. Schilder am Strand und Straßenrand weisen darauf hin, im Falle eines Erdbebens sofort höhere Lagen oder das Inselinnere aufzusuchen. Der Evakuierungsweg ist gut ausgebaut und ausgeschildert. Ich bin der Route gute 600m gefolgt. Dort endet sie und führt im Kreis wieder zurück zur anderen Seite, zur Loh Ba Kao Bay. Auch auf dem Evakuierungsweg zierte Müll links und rechts vom Weg die Landschaft. Am Ende des Weges kam ich in einer kleinen Siedlung an, in der Thais wohnen. Wohl solche, die im Phi Phi Village arbeiten. Die Hütten waren teilweise über stehendem Gewässer gebaut. Das Gewässer machte einen sehr unappetitlichen Eindruck, es war voll mit Müll und Abwässern.

Am Abend bin ich wieder zum zweiten Mal an diesem Tag zur Loh Lana Bay gelaufen um ein paar Panorama-Fotos während des Sonnenuntergangs zu machen. Die Loh Lana Bay liegt auf der Seite der Insel, auf der die Sonne untergeht (also etwa nach Westen gerichtet). Perfekt also für leuchtend bunte Wolken. Leider sind die Panoramabilder aufgrund des starken Windes und dem Wellengang nicht so nice geworden. Weil die Panoramas aus mehreren Einzelbildern zusammengeklebt werden und die Wellenbewegung auf jedem Bild anders ist, liefert das Zusammenkleben abstruse Übergänge zwischen den Bildern an den Wellen. Aber mit dem iPhone ließen sich ein paar schöne Bilder machen:

Einzig mit dem Makroobjektiv konnte ich kleinen Freund fotografieren. Gerade mal 1-2cm groß. Er fiel mir durch die langen Spuren im Sand auf, die er hinterließ.

Krebs in der Loh Lana Bay
Krebs in der Loh Lana Bay

Nun aber zurück zur Überschrift: Warum nimmt meine Reise eine andere Richtung ein? Noch gestern war mein Plan nach meinem Aufenthalt auf Phi Phi Don zurück nach Krabi, oder weiter nach Phucket, zu reisen und von einem der beiden Flughäfen aus nach Malaysia zu fliegen. Dann erhielt ich gestern eine E-Mail von Stefan, dem Besitzer der Rainbow Fish Divers auf Koh Tao, dass sie mir das Potenzial zutrauen und mir eine Ausbildung zunächst zum Dive Guide anbieten. Als Dive Guide darf man — wie der Name sagt — Tauchgänge leiten, also als professioneller Taucher arbeiten. Und wenn die Zeit danach noch reicht und wir beiderseitig weiter machen möchten, dann könne ich noch die Ausbildung zum Divemaster machen. Natürlich kommt die ursprüngliche Initiative von meiner Seite aus, ich habe die Ausbildung dort angefragt, weil mir die Zeit während des AOWD dort so gut gefiel und ich auch die Insel Koh Tao sehr mag. Gerade für solche Begebenheiten, habe ich meine Reise im Voraus nicht fixiert, sondern mir alle Möglichkeiten offen gelassen.

Was hat das für Implikationen? Natürlich werde ich dann nicht wie vor meiner Reise angedacht mehrere Länder in Südostasien bereisen können. In den letzten 22 Tagen bin ich meinem 30-Tage-Touristenvisum in Thailand hinterher gehetzt. Ein gewisser Druck in der kurzen Zeit möglichst viel zu sehen war spürbar. Ist das die Art und Weise, wie ich meine Auszeit vom Stress verbringen will? Selbst wenn ich die 30 Tage in Thailand voll ausreize, habe ich doch längst nicht alles hier gesehen, das Leben und die Kultur der Thailänder nicht verstanden. Wie soll ich dann in etwa 50 Tagen ganze fünf angedachte weitere Länder (Malaysia, Singapur, Kambodscha, Vietnam, Laos) sehen und das Lebensgefühl der dort lebenden Menschen aufnehmen? In Vietnam hätte ich mit dem Visum On Arrival sowieso nur 15 Tage Bleiberecht. 15 Tage. Gerade genug um Saigon und Hanoi zu besuchen. Nervig ist auch das ständige Reisen von Ort zu Ort. Es kostet viel Zeit und auch irgendwo Nerven. Dazu das ständige Packen im zweitäglichen Rhythmus. Es beeinträchtigt die Tagesabläufe. So finde ich nicht die Zeit für mich selbst, die ich brauche und für die ich meine Reise antrat. Seien wir ehrlich, Koh Tao ist auch  touristisch und die echte Thai-Kultur lernt man in einer deutschen Tauchschule auch nicht kennen, aber immerhin ist der geschilderte Druck, möglichst viel zu bereisen, weg.

Ein entscheidendes Argument für die Tauchausbildung ist auch, dass die Ausbildung einem mehrwöchigen Zeitraum am Stück bedarf. Diese Gelegenheit habe ich so schnell nicht wieder. Mit dem Jahresurlaub ist das nicht möglich. Allerdings ist es durchaus möglich 3-4 Wochen Jahresurlaub am Stück zu nehmen und in dieser Zeit ein Land hier unten in Südostasien zu bereisen. Dann mit mehr Zeit und entsprechendem Visum.

Wie sieht also mein Plan für die nächsten Tage aus? Bis Montag verbleibe ich noch hier auf der Insel Koh Phi Phi Don, wechsle aber zwischendrin die Unterkunft, auf die andere Seite der Insel. Dann geht es wieder zurück nach Krabi Stadt. In Krabi Stadt muss ich mein Touristenvisum für Thailand im dortigen Immigration Office verlängern. Dann reise ich von Krabi zurück nach Koh Tao. Das wird wieder ein langer, ätzender Transfer. Etwa am Mittwoch oder Donnerstag werde ich dann Koh Tao erreichen. Aber wie ich in den letzten Wochen hier unten gelernt habe: Pläne können sich jeden Tag ändern, man weiß nie, was die Zukunft bringt. Es gibt immer externe Einflussfaktoren die wir nicht selbst beeinflussen können. Also schauen wir mal, ob ich nächste Woche wirklich auf Koh Tao bin 😄.

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